Wein aus Lippe? Dr. Ulrich Giers und das Projekt, das fliegen soll

Shownotes

Wein aus Lippe? Was im ersten Moment nach einer Schnapsidee klingt, ist für Dr. Ulrich Giers längst ein ernsthaftes Projekt. Der Detmolder Augenarzt baut in Lippe Wein an – und möchte zeigen, dass aus einer ungewöhnlichen Idee ein Projekt werden kann, das am Ende wirklich fliegt.

In dieser Folge von „mein detmold – der Stadtpodcast“ sprechen wir kurz vor dem Wein- und Genussfest in Detmold über Reben in Ostwestfalen-Lippe, über Standorte in Fromhausen, Brockhausen und Schönemark, über PIWI-Rebsorten, feuchtere Böden, Klimawandel, Mechanisierung und die Frage, ob Lippe eines Tages auch Weinland sein kann.

Dr. Giers erzählt, wie er überhaupt auf die Idee kam, Wein anzubauen, warum eine Weinbaugenehmigung plötzlich aus einem Gedanken eine Verpflichtung machte – und wie aus dem Kontakt zu Landwirt Martin Schluhe ein konkretes Projekt wurde. Es geht um mehr als acht Hektar, um die Perspektive auf noch größere Flächen, um Reben, die in Lippe „wie Unkraut“ wachsen, und um die Frage, ob daraus am Ende auch guter Wein entstehen kann.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf PIWI-Reben. Weil Lippe deutlich feuchter ist als viele klassische Weinregionen, setzt das Projekt auf pilzwiderstandsfähige Sorten und lockere Traubenstrukturen, die nach Regen besser abtrocknen können. Außerdem spricht Dr. Giers über eine mögliche Zukunft für alkoholfreien Wein – nicht als Notlösung, sondern als aromatische Begleitung zu gutem Essen.

Diese Folge erzählt von Wein, aber auch von Unternehmergeist, regionalem Mut und einem Anfang mit offenem Ausgang.

Themen der Folge: Wein aus Lippe · Dr. Ulrich Giers · Weinbau in OWL · PIWI-Reben · Klimawandel · Landwirtschaft · alkoholfreier Wein · Wein- und Genussfest Detmold · mein detmold

mein detmold – der Stadtpodcast erzählt Geschichten von Menschen, Ideen und Orten aus Detmold und Lippe.

Transkript anzeigen

00:00:00: Wir sind kurz vorm Wein- und Genussfest in Detmold, das erstmals im Schlosspark stattfindet.

00:00:07: Was es schon länger gibt aber jetzt im Schlostpark?

00:00:09: Es ist sehr warm!

00:00:10: Das Thema ist Wein.

00:00:12: Wir sind hier ja nicht in einer Weinregion.

00:00:14: in Auschwitz fallen Lippe und damit herzlich willkommen zu meinem Detmol der Stadt Podcast.

00:00:18: noch nicht zumindest denn unser heutiger Gast möchte das ändern oder er tut es gerade.

00:00:24: Er ändert es schon, er ist dabei.

00:00:27: Dr.

00:00:27: Ulrich Giers ist heute bei uns, vielen Dank dass du da bist heute im Stadtpodcast und vielleicht kannst du für die wenigen Zuschauer und Zuhörer die dich noch nicht kennen kurz mal erzählen wer du bist und was du eigentlich machst wenn du nicht Wein

00:00:43: anbaust.

00:00:45: Ja, das mache ich gerne.

00:00:46: Ich bin in der schönen Situation, dass ich zwar seit dreieinhalb Jahrzehnten hier in Detmold als Augenarzt tätig bin aber dass mich fast kein Mensch kennt oder dass mich wenige Menschen kennen.

00:00:57: was mir immer und immer wieder passiert ist dass ich mich irgendwo vorstelle und sage schön guten tag ja ich bin der und er und dass die Leute sagen ach sie sind das ja und es eigentlich das Beste, was einem passieren kann.

00:01:09: Weil dann kann man vielleicht noch mal über den Marktplatz gehen ohne dass jeder weiß wer es ist.

00:01:14: Warum ist es so?

00:01:16: Ich bin als operativer Arzt tätig.

00:01:18: So habe ich mich hier Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts niedergelassen und hatte vorher eine kleine Untersuchungsstelle im Bundeswehrkrankenhaus aber das war noch zu zweiundneinzig geschlossen worden.

00:01:31: Und ja wenn man vorwiegend im OP tätig Dann hat man erstens Handschuhe an, damit man keine Fingerabdrücke hinterlässt und zweitens auch einen Mundschutz auf.

00:01:40: Damit man auf dem Markt das nicht wiedererkannt wird.

00:01:43: Und vor allem auch nicht von unzufriedenen Patienten erschossen wird oder sowas hinaus.

00:01:48: Obwohl das hält sich in Grenzen.

00:01:50: die Augenhalkunde ist einfach in der Medizin.

00:01:52: Ich sage immer wir wandern so ein bisschen auf einer rosa roten Wolke weil wir eine Erfolgsrate haben bei unseren Eingriffen, die für sich andere Fächer nur wünschen könnten.

00:02:03: Wenn man mal zum Beispiel mit dem Onkologen spricht, der Menschen behandelt die bösartige Erkrankungen haben.

00:02:10: Dann schwebt er nicht ganz so auf Volke sieben wie wir es als Augenärzte tun dürfen weil mehrheitlich haben wir doch sehr erfolgreiche Eingriffe und damit ein wunderschönes Berufsleben.

00:02:19: ich will den beruf auch nicht missen.

00:02:21: Ich bin im januar siebzig Jahre alt geworden.

00:02:23: macht das noch Vollzeit?

00:02:24: Ich möchte es auch ganz gerne noch machen.

00:02:27: Wir haben ja inzwischen eine relativ große Praxis, das ist ja gewachsen in den letzten Jahrzehnten.

00:02:32: wir beschäftigen fast zwei Hundert Mitarbeiter

00:02:35: und

00:02:35: sechsundzwanzig Augenärzte da unter zehn Weiterbildungsassistenten.

00:02:39: also man kann bei uns auch Augenarzt lernen dass ein extrem befriedigender Beruf den möchte ich nicht gegen Zeitung lesen oder Golfspielen tauschen.

00:02:49: Nein, das muss ja auch nicht sein und vielleicht liegt es auch daran dass viele dich nicht kennen weil wenn sie auf dem Operationstisch liegen dann gucken Sie dir ja nicht zu sondern

00:02:58: so genau.

00:02:59: so ist

00:03:01: jetzt aber die Situation folgende dass wir vor kurzem erfahren haben dass du Wein anbaust.

00:03:09: Jetzt gibt es offizielle Weinanbaugebiete in Deutschland, ich hab mich informiert.

00:03:15: OWL gehört zumindest noch nicht dazu.

00:03:19: Vielleicht kannst du kurz mal uns da einführen warum kommt ein Augenarzt dazu oder irgendwer anders der nicht aus der Profession ist hier in Lippe Wein anbauen zu wollen bevor du das schon gemacht hast.

00:03:35: Wolltest du es ja irgendwann?

00:03:36: Wie kommst du darauf?

00:03:37: Ja wie kommt man als Augenarz auf die Schnapsidee mit dem Weinbau?

00:03:43: Also ein ganz kleiner Berührungspunkt, den gibt's vielleicht aus Detmold heraus.

00:03:48: Es gab hier mal in Hiddesen in der Birkenallee einen Verlag.

00:03:53: Der hat so ein Dienervierblättchen verlegt.

00:03:56: Neuste oder vertrauliche Nachrichten aus Politik und Wirtschaft hieß das?

00:04:01: Viele Menschen hatten das abonniert!

00:04:02: Das war so'n Exzerpt ... aus Politik und Wirtschaft, was viele Entscheider in Politik und Wissenschaft abonniert hatten.

00:04:13: Das wurde teilweise in den Familien weitergereicht.

00:04:15: So habe ich dieses Blättchen auch kennengelernt.

00:04:18: Als das mal vom Vater auf den Sohn vererbt wurde ... Da hat der Sohn gedacht, das ist vielleicht vorbei mit diesem Verlag und die Zeit ist abgelaufen.

00:04:29: Hat sich davon zwei Träume erfüllt?

00:04:32: Das erste ist, er wollte man Hotel haben.

00:04:34: Er hat ein Detmolder Hof gekauft und das zweite ist, der wollte man Weingut in der Toskana kaufen.

00:04:40: Das ist das Weingud Lefonti, was sich Herr Schmidt gekauft hat vor ungefähr dreißig Jahren.

00:04:46: So könnte etwa der Zeitstrahl sein?

00:04:48: Das ist natürlich dann einmal schon so beim Detmolter irgendwie eng graviert.

00:04:52: Man kann als Detmолter Weinbauer werden auch wenn man eigentlich mal ganz andere Sachen gemacht hat.

00:04:58: Das war vielleicht aber nicht die Initialzündung.

00:05:01: Es gibt übrigens durchaus auch anderswo in der Welt Augenärzte, die irgendwann mal auf den Wein gekommen sind.

00:05:08: Das gibt einen sehr bekannten amerikanischen Kollegen aus Kalifornien, Robert Zinski.

00:05:13: Der hat in der Frühzeit der modernen Kataraktiogi – das war die Zeit, in der die Farko-Impulsifikation und die Kunstlinsen eingeführt wurden also in den USA eine sehr erfolgreiche, sehr große Praxis gehabt.

00:05:29: Und er hat auch ein Instrument erfunden, was also eigentlich jeder Augenärzt bei jeder OP in der Hand hält.

00:05:36: Nämlich das sogenannte Sinski-Häkchen.

00:05:38: Das ist nichts weiter als ein ganz kleines feines Häkchen, was am Ende ein bisschen umgebogen ist.

00:05:42: Also nix besonderes Ursprünglich mal konstruiert um Linsen die damals so genannte Positioningholz, Positionierungslöcher noch hatten, um die sozusagen in den Kapselsack oder in den Solkustillaris rein zu drehen.

00:05:55: Solche Linsen mit solchen Löchern gibt es lange nicht mehr.

00:05:57: Aber das Sinske-Häkchen hat überlebt und beim Robert Sinski soll im Sozialraum am Kühlschrank ein Zettel gehangen haben, wo jeder drauf schreiben durfte was man mit dem Sinskie-Härkchen denn sonst noch alles machen kann.

00:06:07: Da stand dann auch so Sachen drauf wie verloren in Penny unter einem Kühlchrank vorholen und was man so noch mit dem Ding tun konnte.

00:06:13: Es ist einfach für den operierenden Augenarzt die zweite Hand im Auge.

00:06:18: Neben dem Hauptinstrument, was er drin hat, ist der Sinsky-Hägchen immer das, was das Hauptinstrament füttert Und Robert Sinski hat natürlich, standesgemäß in Kalifornien die Sinski Weinjahrs aufgemacht.

00:06:30: Sehr bekannter Wein übrigens wäre schon mal der zweite Aufhänger das man auf die Idee kommen könnte.

00:06:36: ich will auch und Die dritte idee ist natürlich von dir gerade angesprochen worden es wird wärmer.

00:06:43: Ja und Für mich ist es nicht negativ konnotiert.

00:06:47: für mich ist Es etwas positives dass es wärmer wird.

00:06:50: warmzeiten waren eigentlich historisch positive Zeiten.

00:06:55: Die römische Warmenzeit, das Römische Reich, dass sich ausgedehnt hat auf den ganzen Mittelmeerraum, hat nur funktioniert weil es warm und fruchtbar war.

00:07:04: Und die mittelalterliche Warmen Zeit in der massenhafte Bautätigkeit da war.

00:07:08: Burgen auf jedem Berggipfel, Kathedralen in jeder Stadt.

00:07:12: Das war nur möglich, weil Arbeitskräfte ernährt werden konnten, die nicht landwirtschaftlich produktiv waren.

00:07:16: Also auch da gab es eine Warnzeit und in der mittelalterlichen Warn-Zeit ist den Klostergründungen folgend, weil ja bis Nordengland, bis an den englischen Limes angebaut worden also deutlich nördlicher noch als heute.

00:07:30: Und wenn wir wieder solch glücklichen, wärmeren Zeiten entgegen gehen und das Klima mal nicht nur ab Aachsehundertfünfzig betrachten wie das im Moment in Mode ist sondern das Klimas über längere Zeiträume betracht.

00:07:41: Dann sehen wir vielleicht wieder einer positiven Warmzeit entgegengen und da könnte es ja wieder klappen hier in der Gegend anzubauen.

00:07:48: Das heißt dass waren viele Inspirationen bei denen du irgendwann gesagt hast ich mache das jetzt.

00:07:52: oder gab's eine Initialzündung?

00:07:54: immer wo du dachtest okay jetzt legen wir los?

00:07:59: Na ja, so Initialzündung gab es vielleicht dann eineinhalb oder zwei.

00:08:04: Diese Idee mit dem Weingut in der Toskana hat vielleicht schon manchen irgendwie mal so ein bisschen angefickst.

00:08:09: Ich war davon auch mal angefickt.

00:08:11: Ich setze natürlich abends am Rechner und habe mal sowas geschaut.

00:08:15: Und in dem Moment wo man sich das dann wirklich konkreter überlegt was wäre das jetzt?

00:08:19: Du kaufst jetzt den Weingutt in der Tuskana wie lebe ich das denn?

00:08:25: Also hier arbeiten Und daneben Herrn Weingut betreibt, geht ja gar nicht.

00:08:29: Also entweder muss man dann einen Cut machen so wie der Herr Schmidt, der Eingangserwähnte das getan hat.

00:08:35: oder aber es funktioniert nicht.

00:08:38: und bei dieser nächtlichen Suche bin ich irgendwann mal auf eine Seite vom Bundeslandwirtschaftsministerium gestoßen wo man Weinbau-Genehmigungen rebt.

00:08:51: Das wird ja europaweit ausgeschrieben.

00:08:52: Es ist von der EU reglementiert, also kann ich jeder hingehen und einfach sagen, ich pflanze mal hier mein Weizenfeld mit Wein.

00:08:58: Das kann man im Garten machen.

00:09:00: bis zu tausend Quadratmeter geht es auch teilweise von neunneinzig Pflanzen die Rede aber das sind sogar tausende Quadratmetern ein zehntel Hektar den man pflanzen dürfte als Privatmann ohne dass man fragen muss.

00:09:11: Aber wenn's ein bisschen mehr sein sollte dann braucht man eine Genehmigung dafür.

00:09:15: Und weil ich nun mal auf der Seite war und diese Genehmigung beantragen konnte, hab' ich gesagt okay gut mach's mal einfach für dein Grundstück was du eh hast.

00:09:22: Warum nicht?

00:09:22: Ja.

00:09:22: Und dann habe ich es vergessen...

00:09:23: Wenn man den Platz hat ist das ja auch gut!

00:09:25: Dann habe ich's vergessen.

00:09:25: Okay.

00:09:26: Und viertel Jahr später kommt ein Brief vom Landwirtschaftsministerium, da steht herzlichen Glückwunsch.

00:09:30: Sie haben gewonnen sie dürfen zwei Hektar Wein anpflanzen.

00:09:32: Na ok.

00:09:34: Das ist ja gewonnen.

00:09:36: also ist jetzt quasi eine Verlosung oder...?

00:09:38: Darf ich mir gerade meine Nase putzen?

00:09:39: Ja natürlich.

00:09:41: Klar.

00:09:42: Das schneiden wir raus.

00:09:44: Das muss nicht drin bleiben.

00:09:50: Das geht gerade rum, ne?

00:09:51: Es sind einige.

00:09:54: Ich habe einen

00:09:55: Zusammenhang mit ihr erwischt.

00:09:57: Letzten Montag ging es los.

00:09:59: Jetzt liege ich in den letzten Zügen aber irgendwie ist es da noch mal angenehmer.

00:10:05: Bin bereit weiter zu erzählen.

00:10:06: Ja

00:10:06: kann weitergehen.

00:10:08: Also dann kommt dieser Brief und das steht drinnen... Dann steht auch noch drunter.

00:10:15: In drei Jahren wollen wir die Pflanzen gerne mal sehen, weil sonst kostet Strafe.

00:10:21: Und das wahrscheinlich nicht wenig?

00:10:22: Das weiß ich nicht!

00:10:23: Ich habe es nicht ganz drauf ankommen lassen, aber fast.

00:10:26: Weil nachdem diese Genehmigung im Februar des Jahres kamen ... Erstmal so ab Sommer zwanzig Privatprobleme gehabt.

00:10:35: Weil ich meine zweite Ehe in den Sand gesetzt hatte.

00:10:37: Meine Schuld hat die Konsequenzen gezogen.

00:10:41: Und da hab ich natürlich alle möglichen anderen Sorgen gehabt, aber nicht die wie ich jetzt den Wein anbaue.

00:10:47: Sondern dann überlegt man sich, wie ordnet man sein Leben und wohin geht das?

00:10:52: Was macht man mit seiner Freizeit und mit wem fährt man in Urlaub?

00:10:56: Ob man dabei immer auf die besten und richtigen Ideen kommt leider hingestellt.

00:10:59: Aber das ist dann erst mal angesagt.

00:11:02: Den Wein habe ich dabei total vergessen.

00:11:05: Bis dann drei Jahre später wieder mal so ein Brief kam.

00:11:07: Also zeigst du mal die Pflanzen!

00:11:09: Okay.

00:11:09: Der Brief kam?

00:11:10: Ja,

00:11:10: der Brief kam nach drei Jahren pünktlich und zufällig hatte ich zudem Zeitpunkt einen Freund aus unserem Rotei Club gerade kennengelernt, ein Landwirt den manch... Lippa vielleicht auch kennt, weil es nämlich der Martin Schluhe ist.

00:11:27: Der mit dem Brand Martins Rind eine Weile versucht hat seinen Rindfleisch lokal zu vermarkten.

00:11:35: Inzwischen ist er glaube ich von einer lokalen Vermarktung auf wieder so ein bisschen runtergegangen.

00:11:39: aber Es wollte einfach der Zufall dass wir nach einer Betriebsbesicherung bei ihm da sehr lange standen Bei einem Wein übrigens natürlich.

00:11:48: Und alle möglichen komischen Pläne geschmiedelt haben.

00:11:51: und dabei kam also auch raus, dass er sagte okay gut dann wenn du da einen brauchst der dir die Pflanzen hegt und pflegt ich kann das oder Ich kann das zwar nicht aber vielen Landwirt kriege ich auf jeden.

00:12:02: und Dann haben wir tatsächlich gemeinsam gedacht ok Jetzt machen wir es einfach jetzt bauen wir einfach mal einatmen

00:12:10: Warum auch nicht?

00:12:11: Einfach mal Bein anbauen.

00:12:12: Und das mitten in Lippe!

00:12:14: Es ist ja in Frommhausen, in Brokhausen und in Schönemark was die Detmolder, Hornbad Meinberger und in der Gegend vielleicht noch kennen.

00:12:23: Andere anderen wissen es jetzt vielleicht nicht.

00:12:26: Warum gerade diese Orte... Was haben sie oder was braucht es damit ihr da gesagt habt okay dahin soll der Wein gehen?

00:12:35: Ja, also das haben wir so gemacht.

00:12:36: Wir sind ja mit der Wünschel-Route eigentlich man mehrere Wochenenden durch Lippe gegangen und haben die ersten Lagen gesucht.

00:12:42: Ja natürlich!

00:12:43: Ein Spaß bei Seite.

00:12:44: Das eine Grundstück war nur das bei mir vor der Haustür.

00:12:47: Die ehemalige Wiese für die übrigens dann erst noch ein Umbruchrecht erworben werden musste damit man da Wein drauf anbauen konnte.

00:12:53: Ganz einfach ist es auch nicht.

00:12:55: Und das nächste ist als Nichtlandwirt hat man es gar nicht so einfach Land zu kaufen.

00:13:00: Da muss man erstmal Landwirt werden nicht allzu wählerisch sein, sondern vielleicht neben was kommt oder neben etwas örtgas noch nicht weggekauft haben.

00:13:09: Oder wie auch immer.

00:13:10: also das ist ja durchaus Angebot und Nachfrage und es meistens so dass er die nachfrage des angebott tendenziell übersteigt.

00:13:18: und da gab es den glücklichen umstand dass da in borghausen eine fläche zu haben war die nun nicht premia.

00:13:25: Das war absolut ungeeignet.

00:13:28: Wenn man die kriegen kann, dann bepflanzen wir sie.

00:13:30: Das sind so gut vier Hektar, die jetzt gerade in diesem Jahr noch mit neuen Weinpflanzen bepflanzt worden sind und das hat mir auch die Möglichkeit gegeben, dass ich nun mehr Landwirt bin.

00:13:41: Dann ist genügend Fläche da und die Glaubhaftigkeit da, Und die zweite Fläche, die wir noch bepflanzt haben sind zwei gepachtete Hektar in Vromhausen.

00:13:59: Die liegen eigentlich sehr schön im Gegensatz zu dem was viele denken Wein muss nicht am Steilhang wachsen also Wein wächst auch gut in der Fläche Ausgesprochen gut sogar.

00:14:09: dazu muss man ja einfach nur in benachbarte Länder fahren.

00:14:13: In Frankreich fängt das ja schon an, in Italien, in Spanien, Innen-USA, in Kalifornien oder Australien werden sie nirgends an Stein hängen, wirst du nirgendes an Steilhängen Wein-Anbau sehen sondern eher in der Fläche.

00:14:26: und so haben wir es halt

00:14:27: auch gemacht.

00:14:28: Acht Hektar ist ja schon eine ganze Menge.

00:14:30: ich habe mal überguckt.

00:14:31: es sind wenn da stimmt zwanzig fünfzwanzig wurden in NRW insgesamt, eins kümmer sechs fünf Hektar neu genehmigt für Neuanpflanzung letztes Jahr.

00:14:40: Wenn ihr jetzt acht Hektare insgesamt habt ist das ja schon eine große Fläche.

00:14:45: also wenn man sich jetzt jetzt vorstellt von wie viel was für eine Menge sozusagen reden wir da in Flaschen oder in wenn ihr mal irgendwann so weit seid

00:14:58: Perspektiv ist es sogar ein bisschen mehr als acht Hektar.

00:15:00: Ich habe aktuell Genehmigung für fünfzehn Hektare, davon einige in Sachsen-Anhalt.

00:15:09: Das ist vielleicht noch so Teil zwei dieses Projekts.

00:15:11: In Sachsen-Anhalt ist immer nicht zwei, drei Grad wärmer als bei uns etwas kontinentaler.

00:15:17: schon das Klima und da würde ich mich ganz besonders hoch für Böden interessieren auf den eigentlich ein Standeres wächst weil so einen Wein der kann sehr tief wurzeln.

00:15:26: Ich werde in Weizen also gerade mal knappen Metertiefwurzel schafft ein Wein fast zehn Meter.

00:15:32: Das heißt auch da wo andere Pflanzen kein Wasser mehr kriegen kriegt er schon noch was aus der Tiefe.

00:15:38: Und das wäre so ein Projekt, ob man da vielleicht noch ein kleines Weingut oder wie auch immer.

00:15:45: Oder eine Depondance oder eine Außenstelle oder was auch immer.

00:15:49: Perspektivisch würde ich mir wünschen dass es über zwanzig Hektar werden.

00:15:52: Dann wären wir unter den zehn Prozent der größten deutschen Weingüter.

00:15:55: Da will ich eigentlich hin weil dann macht welche Mechanisierung Sinn.

00:15:59: und jetzt die Frage Wie viel kann man erwarten?

00:16:07: Das ist eine Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten.

00:16:12: Weil wir noch nicht wissen was die Böden hier hergeben.

00:16:15: Aber es regnet hier gut mehr als in vielen Weinbaugebieten und wenn mal Glück haben wie in dieser Woche scheint auch mal die Sonne.

00:16:23: Im Moment wachsen die Pflanzen wie Unkraut.

00:16:24: also die kundigen Menschen, die Inhaber der Reb-Schulen, bei denen wir Reben kaufen.

00:16:32: Die Inhabern der Lohnunternehmen, die die Pflanzungen hier vornehmen.

00:16:35: Die stehen jedes Mal staunend vor diesem Weinbergen und sagen es ist unmöglich, das wäre so wie Unkraut.

00:16:39: bei euch hätte keiner gedacht.

00:16:41: Ob dann da auch die Früchte an diesen Pflanzen so gedeihen?

00:16:46: Das wird sich dann herausstellen.

00:16:48: was kann ich erwarten an Ernte?

00:16:51: also man kann Bei einem Qualitätswein, etwa fünftausend Fünfhundert Liter Wein pro Hektar produzieren.

00:16:59: Wenn die Erntemenge das hergibt.

00:17:01: und für fünfeinhalb Tausend Liter Wein bei Weißwein würde man eine Ernte Menge von etwa acht Tonnen brauchen.

00:17:08: Acht Tonnen Wein bei Fünftausenden Pflanzen, die auf so einem Hektare stehen würden bedeuten jede Pflanze müsste ungefähr eins Komma Sechs Kilo Trauben produzieren, wenn sie sich jetzt mal so eine Weintraube vorstellen.

00:17:22: So wie man sich am Stängel vielleicht in der Hand hält dann hat die typischerweise bei vielen Rebsorten um die zweihundert Gramm das heißt also acht solcher Trauben, die ich dann abschneide zum Ernten.

00:17:35: Acht solcher Trauben etwa müssten an einer Pflanze wachsen.

00:17:39: Dann hätten wir also etwa acht Tonnen Erntemenge pro Hektar und hinterher fünfundhalb Tausend Liter Wein oder sagen wir etwa fünftausend Liter Wein.

00:17:45: es gibt so um die sieben tausend Flaschen dann

00:17:48: was hier schon sehr ordentlich ist.

00:17:51: Du hast gerade schon das Klima angesprochen, eben es ist hier ein bisschen feuchter als in anderen Regionen.

00:17:56: Wenn man jetzt gerade nach Italien guckt oder Südfrankreich da sieht die Regenmengen etwas anders aus.

00:18:02: Ihr setzt ja auf die sogenannten Piwi-Reben.

00:18:06: vielleicht kannst du kurz mal dazu noch was erzählen?

00:18:09: Was genau das ist und warum das vielleicht sinnvoll ist sie hier einzusetzen.

00:18:14: ihr tut sich also scheint es ja sinnvoll zu

00:18:16: sein.

00:18:17: Ja, das ist eine gute Frage.

00:18:19: Also ich kann nicht dreihundert Jahre Familientradition im Weinbau vorweisen und die kann ich mir in meinem Leben auch nicht mehr anreignen.

00:18:28: Deswegen muss man in so einer Situation dann einfach mal auf den Rat von Menschen hören, die sowas schon einmal gemacht haben.

00:18:35: Und der Zufall wollte, dass wir ganz am Anfang an einen Reb-Schulbesitzer geraten sind.

00:18:40: Der Kunden betreut in Belgien, in den Niederlanden, in Dänemark, in England ... Mhm.

00:18:46: In Schweden, in Norwegen und in Sachsen.

00:18:50: Und das sind ja alles nicht so die klassischen Weinanbaugebiete, die man sofort auf dem Schirm hat, wenn man an Wein denkt.

00:18:58: Als ich dem vorgetragen habe was ich an Lieblingsorten gerne anpflanzen würde.

00:19:02: Das wäre bei mir der Chardonnay gewesen Der von Dorn in Deutschland als Gutedel bekannt ist, der in der Schweiz den Frankreich viel wächst.

00:19:11: Eigentlich auch einen schönen Wein gibt.

00:19:14: Da hat der gute Mensch mir gesagt, lass die Finger davon!

00:19:19: Weil ich hab irgendwie gesagt, das wächst im Wallis bis auf sieben Meter Höhe.

00:19:22: Da pflanzen die von Doren an und das wird bei uns wachsen.

00:19:25: Und er sagt, vergiss es, das ist ein Trockental des Wallis egal von wo da ... Die Witterung kommt, es muss über hohe Berge.

00:19:33: Da regnet's nicht viel.

00:19:34: im Wallis hat man im Durchschnitt fünfhundert Liter Niederschlag pro Quadratmeter und Jahr.

00:19:39: übrigens wie auch in den deutschen Weinbaugebieten etwa Fünfhundert Liter Niederschlag pro Quadrate Meter und Jahr.

00:19:44: wir haben im Lippe fast das doppelte.

00:19:47: oder sagt er lasst die Finger von solchen Trauben.

00:19:51: Was mir nicht klar war dass ist dass der durchschnittliche Winzer Nicht in Deutschland in Europa Der durchsinnliche winzer seinen Wein vierzehn Mal in der Saison mit dass man Pilzmitteln behandelt, damit er nicht verpilzt.

00:20:06: Das würde bei uns bedeuten, dass wir statt vierzehn mal vielleicht zwanzigmal fahren müssten.

00:20:10: Vor jedem Regenguss einmal durch mit der Giftspritze ... das hören immer die Leute nicht gern.

00:20:15: Aber es ist letztendlich ein Mittel, was Pilze am Wachstum hindert.

00:20:20: Also nichts, was man so furchtbar gerne mit trinken möchte.

00:20:24: und die Idee dann PIVI-Sorten zu nehmen, also pilzresistente Sorten dass man nicht den ganzen Tag im Weinberg mit der Antipilzspritze rumlaufen möchte.

00:20:35: Es wird sich möglicherweise auch nicht vollständig verhindern lassen, auch bei einer Pivisorte vor der Blüte oder so was einmal rüber zu gehen aber eben viel seltener als man das bei herkömmlichen Sorten tun muss.

00:20:49: und der zweite Rat war wenn ich das gleich noch hinterher schieben darf nehmt Rebsorten die relativ lockere Traubenstruktur haben weil Die Traube muss eine Chance haben, wieder abzutrocknen.

00:21:00: Wenn Sie mal auf den Markt gehen und sich diese Weintrauben, die Tafeltrauben anschauen ... Die wachsen ja wirklich eng an Eng!

00:21:07: Traube an Traube?

00:21:09: Wie wollen sie die Trocken kriegen nach dem Regenguss?

00:21:12: Die müssen sie schon irgendwo wachsen lassen, wo es vielleicht nicht jeden Tag regnet.

00:21:15: Und die Traube dann auch eine Chance hat, nicht zu verrotten, bevor man sie erntet.

00:21:22: Wir haben darauf geachtet, dass erstens Pilzresisteil besorten sind und zweitens, dass es eben Trauben sind, die relativ locker wachsen, wo auch mal ein Windstoß durchgehen kann, der nach dem Regen die Traibe wieder trocknet, bevor sie einen Pilz entwickelt oder verdirbt.

00:21:39: Die ganze Zeit schon, da klingt ja eine ganze Menge Wissen schon mit.

00:21:42: Da wird es ja am Anfang gesagt als Augenarzt und dann Landwirt aber trotzdem erst mal nicht vom Fach.

00:21:48: Martin Schlur ist Landwir, aber auch kein Weinbauer.

00:21:53: Wie eignet man sich das ganze Wissen an?

00:21:56: Also sind es dann Menschen die euch dann mit sozusagen gelehrt haben.

00:22:01: habt ihr das online gemacht?

00:22:03: wahrscheinlich ja nicht wie Learning by Doing?

00:22:06: Ja, ein bisschen schon Learning by doing oder sagen wir mal so.

00:22:12: Man muss ja nicht leichtes komplette Wissen am ersten Tag parat haben sondern es wird ja so Stück für Stück.

00:22:20: Wir haben interessanterweise unglaublich Interessierte Begleiter aus der Falz, die sich dieses Projekt mit großem Interesse anschauen.

00:22:29: Mit großen Augen und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

00:22:32: Das muss man so sagen.

00:22:34: Sehr freundlich gesonnen Geschäftspartner oder Menschen, ganz offen und mit sehr viel Wohlwollen uns begleiten.

00:22:50: Und uns auch Tipps geben, was man so tun kann.

00:22:54: Beim Wein ist es ja jetzt nicht so, dass ich mich heute entscheide, ich pflanze eine Pflanze.

00:22:58: Und morgen muss sich die ganze Produktionskette zu Ende haben und auch die Stahltanks oder Holzfässer im Keller liegen haben.

00:23:04: Es dauert erst mal ein paar Jahre bis die Pflanzen kräftig genug sind, bis jede Ernte abwerfen.

00:23:09: Dann fängt man an mit einer kleinen Ernte.

00:23:11: Wir werden dieses Jahr, wenn wir Glück haben, etwa vier Tonnen.

00:23:15: Dann haben wir kleine Mengen, mit denen man probieren kann.

00:23:20: Man muss es nicht selber machen und eine Lohnkälterei geben.

00:23:24: Das haben wir noch nicht entschieden wie wir das machen.

00:23:26: Ich habe mir jetzt ein Angebot für sechs Stahltanks und ein paar Holzwässer angeboten lassen.

00:23:31: Ob wir das in diesem Jahr schon umsetzen oder irgendwo hinbringen?

00:23:35: Man hat die Chance, es Stück für Stück sich anzueignen.

00:23:38: Es muss ja nicht das komplette Wissen am ersten Tag da sein.

00:23:41: Richtig!

00:23:41: Die Ärzte aus der Fals namens das Begleiten Das kann ich mir vorstellen, ist für die hier wahrscheinlich auch interessant.

00:23:48: Weil es hier im sozusagen im Norden der Region ist, die ja vor zehn, zwanzig Jahren wo es noch nicht so möglich gewesen ist.

00:23:56: Das heißt dieser Temperaturwandel, der stattfindet den Märken, die da unten ja auch und er ist für diese Region ja wahrscheinlich nicht so positiv wie für die Regionen hier

00:24:05: oder?

00:24:07: Das ist total interessant.

00:24:08: Es gibt an der Hochschule für Weinbau in Geisenheim ein Projekt, das sich damit auseinandersetzt wie man Wein vor zu viel Sonne schützt und das sogar in Deutschland.

00:24:19: also wir sprechen hier nicht von Südspanien oder von Sizilien sondern in Deutschland gibt es ein Projekt Solar über Wein Solarmodule über Weinberg und im Schatten der Solarmodule soll der Wein davor bewahrt werden, mit zu viel Sonne sozusagen verdorben zu werden oder in Sonnenbrand zu kriegen.

00:24:43: Und solche Gedanken gibt es nicht irgendwo direkt unter dem Equator sondern witzigerweise schon bei deutschen Anbaugebieten.

00:24:52: also wir werden möglicherweise mit dem Klimawandel auch erleben dass der Weinbau sich so ein bisschen verschiebt von südlich nach nördlich.

00:25:00: Wenn Sie mal in die Region Garda sehen, die berühmte Lugana-Region fahren dann gehen Sie mal da an so einem Weinberg vorbei.

00:25:06: Da finden sie eigentlich überall Beriesungsanlagen und da müssen sich jede einzelne Pflanze künstlich bewässern.

00:25:12: Inzwischen das kann sicher auch herausstellen dass das so etwas problematisch wird nicht?

00:25:16: Also wir werden einen gewissen Wandel haben.

00:25:19: Wie dieser Wandel gestaltet wird und wie er genau stattfindet, weiß ich nicht.

00:25:24: Aber ich weiß eins es gibt hier in Deutschland eine Ortsbezeichnung ein Pflegeheim glaube ich an Altenheim das heißt Haus am Weinberg Ja, in Detmold.

00:25:33: Und ich kann mir nicht vorstellen dass es da niemals ein Weinberg gegeben hat das irgendjemand mal so nachts so die Idee hat.

00:25:39: das nenn ich jetzt Haus am Weinberg.

00:25:41: also irgendwie muss diese Bezeichnung ja einen historischen Hintergrund haben und ich könnte mir vorstellen dass auch in Detmold in früheren Zeiten irgendwann mal Wein angebaut worden

00:25:49: ist.

00:25:50: Könnte sein!

00:25:51: Da habe ich zumindest mal ein paar Zahlen gefunden oder historische Bezüge gefunden das rund um Höchstdauer der Kauwei erst mal durchaus in früheren Zeiten solche Versuche gab und das ist ja auch nicht weit weg.

00:26:06: Und die THOWL hat sich auch mit früherem Weinbau im Weserbergland beschäftigt, was hier auch nicht ganz Süddeutschland ist.

00:26:12: Wenn man sich noch ein bisschen weiter weg entfernt, Beispiel England & Wales da ist die Rebfläche von siebenhundert einsächsig Hektar zwei tausend vier auf fast viertausend hektar zweitausend einundzwanzig gewachsen.

00:26:30: Also das sind ja auch Regionen in denen da einen Wandel passiert.

00:26:34: gibt es eigentlich zu solchen Regionen England Wales wird es vorhin ja auch noch Dänemark Norwegen genannt, gibt's da Kontakte irgendwie?

00:26:39: oder vielleicht auch Kollegen die sagen bei uns ist es vergleichbar macht mal

00:26:48: so Leider noch keine Kontakte, eher interessiertes Beobachten.

00:26:51: Das Interessante an England ist ja ... dass da in den beiden Regionen, in denen Weinbau betrieben wird ähnliche Bedingungen vom Boden her herrschen wie in der berühmten Region Omronz in der Champagne.

00:27:05: Und die bauen ja auch genau diese Trauben an und verkältern das ja auch im Wesentlichen Schaumweinen wie übrigens auch zum Teil in Dänemark.

00:27:13: Da hatte ich ursprünglich auch drauf geschielt so was in der Richtung zu machen.

00:27:17: wir haben doch eine ganz andere oder versuchen eine andere Nische zu besetzen, nämlich die mit den Piwiweinen.

00:27:24: Aber das was sie da in England machen, das erinnert ja sehr an Champagnerproduktionen.

00:27:29: hoch interessant auch und was unser Rebenlieferant dazu gesagt hat ist eben dass es Südengland nicht nur viel Regen hat sondern auch viel Wind und der Wind dafür sorgt dass nach dem Regen die Trauben wieder abtrocknen und die Pilze nicht so viele Chancen haben.

00:27:47: Noch sehr praktisch.

00:27:48: Richtig!

00:27:51: Wir durften uns das ja mal angucken, dass ein Teil zumindest des Weingus, muss man sagen, ein Teil... Da gab es einen Infoblatt dazu wo ihr ein bisschen beschrieben habt, mal den Schlur und was ihr alles so plant und da drin stand, dass die erste kleine Ernte für twenty-seven zwanzig und achtundzwanzig geplant ist und die volle Ertragsfähigkeit ab neunzwanzigdreißig.

00:28:13: Du hast es kurz schon mal erwähnt, aber vielleicht kannst du uns noch ein bisschen mitnehmen was passiert bis dahin?

00:28:17: also jetzt sind die Pflanzen angepflanzt und sie wachsen?

00:28:20: Was passiert bis sieben zwanzig bis achtundzwanziger oder bis dreißig?

00:28:26: Also man sagt das eigentlich so einen Weinberg etwa dreizig Jahre lang betrieben wird bevor dann die Reben Nicht mehr die Erträge liefern wie vorher.

00:28:39: und dann gibt's zwei Möglichkeiten, die einen vermarkten es als alte Reben weniger ertragreich.

00:28:44: Und die anderen reißen die alten Reben eben raus im Pflanzen neue.

00:28:48: Wenn man diesen Produktionszyklus sich anschaut, dann sind die ersten fünf Jahre davon so eine Art Anlaufphase.

00:28:54: Also die Pflanzen, die wir letztes Jahr gepflanzt haben, die haben natürlich letztes Ja gar nichts getragen.

00:28:58: Die sollten auch nicht sagen.

00:28:59: Da wird alles abgekniffen was irgendwie der Pflanze Kraft rauben könnte, weil man will ja überhaupt erst mal einen halbwegs vernünftigen Stängel haben.

00:29:09: Der in der Lage ist dann später auch eine größer werdende Pflanze zu unterhalten.

00:29:15: darum geht es eigentlich in den und diesen Weinstock überhaupt erst mal wachsen zu lassen, aus dem dann jedes Jahr diese frischen Triebe kommen.

00:29:25: An denen eben auch die frischen Trauben hängen oder jedes Jahr die Trauben hangen.

00:29:29: also wie ersten fünf Jahre sind so eine Art Anlaufphase.

00:29:32: nach fünf Jahren kann man sagen ist die Pflanze so reif dass sie dann den ertrag bringt den Sie die nächsten vierundzwanzig jahre ungefähr abwerfen könnte.

00:29:42: und da haben wir vorhin schon drüber gesprochen Das heißt, neunzwanzigdreißig

00:29:50: ungefähr erste kleine Ernte, siebenzwanziger zwanzig.

00:29:53: Was?

00:29:53: Worauf können wir uns denn dann freuen?

00:29:56: Du hast die Sorten gerade schon genannt aber was für Weine habt ihr dann oder plant ihr dann zu haben?

00:30:02: worauf können sich die Detmolder und natürlich auch viele andere es sind ja doch einige Liter Freuen auf welche Weine?

00:30:11: Ja, also den ein oder anderen davon kann man sogar... Ich will jetzt keine Schleichwerbung machen.

00:30:15: Aber kann man in einem Felser Weinstuben probieren?

00:30:17: Die haben nämlich Muscaris im Angebot und Muscarus ist einer von den Rebsorten die wir da anbauen.

00:30:24: Muscaras sagt ja schon etwas aus über die Noten, die man da erwarten kann.

00:30:29: Also eher eine etwas würzigere Rebsorte.

00:30:33: Dann hätten wir noch solche Sorten wie einen Solaris und ähnliche Rebsorten.

00:30:43: Die sind nicht so bekannt, weil diese pilzresistenten Sorten hat nicht jeder im Ohr wie Riesling oder Chardonnay oder was auch immer, was man so jeden Tag hört.

00:30:53: Es geht in erster Linie ja darum zu versuchen eine Rebe zu haben die relativ aromatischen Most liefert erstmal aus dem man dann einen möglichst auch aromareichen Wein nach Möglichkeit.

00:31:08: weil ein zweiter Hintergedanke noch dabei ist und da braucht man jetzt vielleicht nicht unbedingt dreihundert Jahre Familientradition.

00:31:16: Sie erinnern sich alle an die Klausthaler Werbung, nicht immer aber immer öfter.

00:31:19: für vierzig Jahren war das Zeug praktisch ungenießbar – das alkoholfreie Bier!

00:31:24: Und heute kann man einen Kram trinken.

00:31:27: also innerhalb dieser vier Jahrzehnte haben die Bierbrauer es gelernt.

00:31:31: Es fing mal an mit dem Weizenbier, das ging so als erstes.

00:31:34: Das konnten wir als Erstes trinken.

00:31:35: Das ist ja heute fast vom alkoholischen Weizen nichts zu unterscheiden, wenn man es trinkt.

00:31:41: Hin auch zu anderen Sorten haben die Bierbraueres gelernt des alkoholfreie Bier aromatisch genug zu machen, sodass es den Verbraucher schmeckt und nicht eine furchtbare Brühe war wie das Klaus-Taler vor vierzig Jahren.

00:31:56: Beim Wein erinnert's mich ... im Moment an den Stand Klaus-Taler vor vierzig Jahren.

00:32:00: Das schmeckt ja mehr, wenn ihr wie Traubensaft aus dem Tetrapack was einem da so als alkoholfrei angeboten wird.

00:32:06: und es ist ein weiterer Hintergedanke wir sind ja antizyklisch unterwegs.

00:32:11: eigentlich geht der weltweite Weinkonsum zurück und wir bauen einfach Wein an.

00:32:16: die Bevölkerung die Wein und Alkohol konsumiert also die alternde weiße Bevölkerung nimmt auch hindentiell ab.

00:32:24: Das heißt, man muss sich im Grundejahr darauf einstellen dass die Konsumenten wenn sie abnehmen.

00:32:31: Naja das dann der Absatz auch möglicherweise etwas stagniert.

00:32:34: aber wo könnte es auch noch Entwicklungschancen geben?

00:32:36: und diese sehe ich in diesem Segment Alkoholfeierwein, der ja bisher noch nicht funktioniert.

00:32:42: Aber den man sicherlich im Laufe der Jahre zum Funktionieren bekommen könnte.

00:32:46: und da sind wir ja nun nicht drei hundert Jahre zurück hinter den anderen.

00:32:49: Da könnten wir ja noch im Trend liegen wenn man damit anfängt.

00:32:53: Und was wollen Sie denn zu einem leckeren Essen?

00:32:55: Jetzt haben wir hier gerade wieder ein neues Sternrestaurant.

00:32:57: Das ist ein ganz herzlichen Glückwunsch.

00:33:00: Hochverdient, Pfeiffer ist das glaube ich, richtig gut gemacht über viele Jahre, kleines Restaurant immer gut geliefert.

00:33:06: jeder der dahin gegangen ist war sehr zufrieden und des Lobes voll über das Essen.

00:33:11: jetzt belohnt mit dem Michelin Stern.

00:33:13: so was wollen sie zum fünfgängemenut den trinken?

00:33:16: Immer die Johannesbärscholle oder immer die Apfelscholle?

00:33:23: Das ist es ja nicht.

00:33:24: Die Weinbegleitung passt zu solchen Gerichten und zu so einem leckeren Essen.

00:33:29: vielleicht auch dann mal einen schmeckenden alkoholfreien Wein anbieten zu können, das wäre ein sehr heyeres Ziel.

00:33:38: Und dafür brauche ich natürlich als Ausgangsprodukt schon etwas wo Aromen drin sind weil ich verliere welche auf jeden Fall wenn der Alkohol rausgeht.

00:33:45: Es wird weniger aromatisch.

00:33:47: Ich muss also vom Grundstoff her was möglichst Aromareiches haben Damit ich dann hinterher, wenn das ein Endalkoholisierungsprozess wie auch immer er gestaltet werden wird.

00:33:58: Hinter sich hat damit es dann irgendwo noch genügend schmeckt.

00:34:01: Das sind schon Pläne!

00:34:03: Das sind große Plänen, wunderbar.

00:34:05: Da gibt's wahrscheinlich auch wieder Kooperationen oder Unterstützung von Menschen die sich da mit ausgehen.

00:34:10: aber das ist wahrscheinlich der nächste Schritt den ihr jetzt noch nicht geplant habt.

00:34:13: Genau so ist

00:34:15: es.

00:34:16: Was wäre so der schönste Moment, wenn du dich jetzt vorstellst?

00:34:21: Da soll es mal hingehen.

00:34:22: Ist das die erste Traube?

00:34:23: Die habt ihr wahrscheinlich schon in der Hand gehabt sozusagen?

00:34:26: Die erste Lese oder dann die erste Flasche?

00:34:29: Das Zielmode sagst du, dann ist es gut!

00:34:35: Na ja also gut ist es nur dann... Wenn das nicht eintritt was ein Freund mir neulich geraten hat.

00:34:42: er hat gesagt statt dem Quatsch mit dem Wein im Lippe kaufte doch lieber ein Haus auf Malle.

00:34:48: Das ist werthaltiger als da dein Geld zu verbrennen.

00:34:52: Also der schönste Moment wäre, wenn dieses Projekt tatsächlich fliegt.

00:34:56: Ich mache das nicht weil ich ein Hobby brauche.

00:34:59: Da hätte ich genügend andere Ideen.

00:35:02: Beispielsweise flieg ich seit sechsundfünfzig Jahren.

00:35:05: also wenn ich Geld verbrenne will mit dem Hobby dann gute andere Möglichkeiten.

00:35:10: Und das ist eigentlich ein Projekt, wo ich mir wünschen würde dass es auch wirtschaftlich trägt.

00:35:13: Das wäre für mich der Glücksmoment.

00:35:16: Der wird dann noch nicht bei der ersten Ernte da sein aber wollen wir das auch Schritt-für-Schritt machen?

00:35:20: wenn wir das Glück haben dieses Jahr etwa vier Tonnen Trauben zu ernten Dann werden wir im nächsten Frühjahr und zum nächsten Weinfest auch hier die ersten Wenn der dann auch noch halbwegs schmecken sollte, ich will ja jetzt nicht gleich Achtundneinzig-Parkerpunkte erreichen.

00:35:41: Aber wenn er wenigstens nicht so ist dass man ihn gleich wieder ausspuckt sondern sagt okay vielleicht wenn ihr noch ein bisschen üben können die da mal was draus machen.

00:35:49: das wäre schon so'n erster Glücksmoment, ne?

00:35:51: Dass man sagt Okay weil es ja beweisen würde Es ist im Prinzip möglich aber das Ziel wär natürlich schon Das Ding soll eine Größe haben, die eben wirtschaftlich produzieren kann.

00:36:04: Das heißt eindeutig Mechanisierung weil in Handarbeit ist das nicht bezahlbar Und das Projekt sollte sich dann auch wirtschaftlich irgendwann mal tragen durch den Verkauf der Erträger, also des Weins dem man da dann kältert und erntet.

00:36:20: Das wäre für mich erst der Glücksmoment aber der ist nicht eher als in fünf Jahren zu erwarten.

00:36:24: Das übelste ist ja keine furchtbar lange Zeit und Mechanisierung heißt es hat man noch nicht gesagt Die Ernte zum Beispiel wird dann eben nicht von Menschen gemacht, die dann einzeln durch die Reihen gehen.

00:36:36: Sondern da seid ihr auch schon gut aufgestellt wahrscheinlich dass ihr entsprechende Gerätschaften habt, die das dann machen.

00:36:43: Ja das ist immer das große Problem der Landwirte.

00:36:46: es gibt so viele tolle Maschinen und man möchte sie am liebsten alle haben.

00:36:50: Da kann man recht schnell auch Arm werden dabei.

00:36:53: aber Das ist eine Frage der Kalkulation.

00:36:58: Nehmen wir das Beispiel Ernte, einen Hektar Weinernten von Hand bedeutet, höher Qualität.

00:37:13: Weil der Vollernte funktioniert auch noch nach sieben Stunden Ernte-Einsatz, so dass er die faulen Trauben aussortiert.

00:37:19: was der Ernte hält war vielleicht dann schon mal vergisst.

00:37:23: und wenn man sich das einfach nur anschaut dieses Verhältnis.

00:37:27: Hundert Achtzig Arbeitsstunden, die ja Geld kosten zu dann weiß man eigentlich ganz klar, in welche Richtung die Gedankengänge gehen müssen.

00:37:38: Und wenn Sie das jetzt für einen Hektar so beschreiben, können Sie es mal zehn oder mal zwanzig multiplizieren und haben dann für den Weingut die Zahlen.

00:37:48: Dann stehen die Maschinenkosten schon wieder in einem ganz anderen Verhältnis zu... Na ja, also wenn man das erst so hört was kostenvoll ärter weiß ich.

00:37:58: Was zwischen drei hunderttausend und ein million dann denkt man sich zum quatsch werden die noch nicht kaufen haben wir schon gekauft der?

00:38:06: Die idee ist dass tatsächlich in eine in eine wirtschaftliche zone zu bringen.

00:38:12: Und da kommt man an dem thema mechanisierung nicht vorbei.

00:38:16: trotzdem wird es ja Ein gewisses maß an personalbrauch habe mich jetzt gerade gefragt weil es hier keine weinregion ist und viele Menschen auch nicht denken, dass es hier Wein angebot wird.

00:38:26: Ist ja wahrscheinlich die Personalakquise zumindest wenn das um Fachwissen geht, nicht ganz so einfach in der Region.

00:38:32: Wer kommt ihr da an Leute ran oder braucht den Moment noch nicht?

00:38:36: Oder wenn dann wie?

00:38:37: Brauchen wir und haben wir!

00:38:40: Und die Akquise läuft eigentlich so europaweit.

00:38:42: ich meine dazu müssen sie ja nur mal auf ein Erdbeerfeld gucken und schauen wer flügt da die Erdbären?

00:38:48: Das sind ja nicht die Familien mit Lieder der Familie Grimm, oder wem auch immer das Früher- oder Wartermeier.

00:38:54: Sondern das sind Saisonarbeitskräfte aus den Nachbarn europäischen Ländern.

00:38:58: und genauso ist es natürlich bei uns.

00:39:00: Und ob die polnische oder die rumänische Saison Arbeitskraft nun bis in die Falsfährt oder bis zu uns – das macht den Kohl nicht fett!

00:39:08: Und das sind genau die Arbeitskräfte, die wir natürlich auch beschäftigen.

00:39:11: und sie finden unter diesen Arbeitskräften natürlich immer welche die Erfahrungen im Weinbau haben Und die vielleicht sagen, ach Hoppla, da muss ich ja dreihundert Kilometer weniger weit fahren.

00:39:23: Wenn ich beispielsweise aus Polen als Saisonarbeitskraft hierher komme.

00:39:27: Das heißt diese Arbeitskräfte findet man und die brauchen wir dringend.

00:39:31: Die haben richtig viel zu tun weil gerade in einem frisch gepflanzten Weinberg gibt es leider noch jede Menge Handarbeit, die Maschinen eben nicht erledigen können.

00:39:41: Da muss jede Pflanze festgebunden werden an einem Stab Drahtgerüst, dass vorher natürlich auch erst mal aufgebaut werden muss.

00:39:50: Diese Drähte müssen ja auch gezogen werden.

00:39:52: also da gibt es Arbeit ohne Ende und das sind wir sehr froh, dass wir dieses Saisonarbeitskräfte haben.

00:40:00: bleibt mir eigentlich nicht mehr als euch viel Erfolg zu wünschen.

00:40:04: Viel Spaß glaube ich habt ihr schon, das spürt man wenn man euch zugehört hat.

00:40:08: also dir und auch Martin Schlur ja viel Erfolg.

00:40:12: auf jeden Fall dass es einen schönen Wein gibt oder mehrere die wir dann vielleicht im nächsten Jahr oder am übernächsten Jahr beim Weinfest schon von euch probieren können Und dann sehen wir uns vielleicht nochmal wieder mit dem Gläschen und können hier mal live probieren

00:40:29: absolut versprochen.

00:40:30: Also das ist erstmal das Zwischenziel nächstes Jahr auf dem Detmolder Weinfest mit einem eigenen Stand, mit lokalem Wein dabei zu sein und sich hoffentlich nicht in Grund- und Bodenschämen zu müssen neben den anderen Ständen so dass man vielleicht sogar ein bisschen mithalten könnte, das wäre ein Traum.

00:40:50: Wunderbar!

00:40:50: Dann freuen wir uns jetzt schon auf das Fest im nächsten Jahr aber natürlich auch auf das Wein- und Genussfest in diesem Jahr Was ja von Donnerstag bis Sonntag im Schlosspark steigt, stattfindet in der wunderbaren Atmosphäre mit vielen Gastronomen, Weinhändlern und Winzern.

00:41:07: Und im nächsten Jahr dann auch mit dem libyschen Weingut das noch keinen Namen hat?

00:41:13: Oder gibt es eigentlich schon einen Namen?

00:41:14: Peinlich!

00:41:15: Nein!

00:41:15: Das hat noch nicht mal einen Namen.

00:41:18: Vielleicht nächstes Jahr oder vielleicht gibt's jetzt viele Kommentare die Vorschläge machen.

00:41:24: Immer gern, sind gerne willkommen.

00:41:25: Also vielen Dank für den Besuch und die Einblicke ein sehr spannendes Thema und wie gesagt euch viel Erfolg für die nächsten

00:41:37: Jahre!

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